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Eine Jahrhunderte alte Tradition wird fortgesetzt

Von P. Lukas Wirth OSB

„Die Kunst des Bierbrauens wurde nicht in Klöstern erfunden. Aber die Klöster brachten die Bierbrauerei voran. Daran besteht kein Zweifel. An ihnen lag es, dass das deutsche Bier immer besser wurde – und Klosterbier ist hervorragend.“

So und in vielen Varianten war es im Winter 2005/2006 in der regionalen Presse zu lesen, die mit großem Interesse über die Sanierung und Wiederinbetriebnahme des klösterlichen Brauhauses in Scheyern berichtete. Das weckte natürlich die Neugier und ließ die Vorfreude auf den 1. Mai 2006, an dem das neue Klosterbier erstmals ausgeschenkt werden sollte, wachsen.

Doch gleichzeitig wuchs damit auch der Erwartungsdruck seitens der Öffentlichkeit, aber auch bei den eigenen Mitbrüdern. Werden wir die alten Rezepturen so umsetzen können, dass sie auch mit modernster Brautechnik das gewünschte Ergebnis bringen? Funktioniert die gesamte neue technische Anlage auch wie geplant? War die Auswahl von Rohstoffen aus der Region richtig? Hat der alte Klosterbrunnen wirklich Brauwasserqualität? Und nicht zuletzt die Frage an den Cellerar: Ist eine solche Investition überhaupt zu rechtfertigen? War es richtig, einen ganz jungen Braumeister für diese Aufgabe zu gewinnen und zu begeistern? Viel könnte hier an Fragen und an Bangen noch aufgeführt werden. Doch nun gilt es nicht vorzugreifen, sondern alles der Reihe nach zu berichten.

Die fast 900-jährige Geschichte der Klosterbrauerei Scheyern

Als die Grafen von Scheyern ihre Stammburg in ein Kloster umwandelten und ab 1119 die Benediktinermönche aus Bayrischzell-Fischbachau-Petersberg dort Wohnung nahmen, war wohl bereits eine kleine Brauerei auch im Rahmen der Burganlage vorhanden. Nachweisbar ist eine solche aber erst mit der Klosterzeit. So lässt sich schon in den ältesten Abgabeverzeichnissen an das Kloster Hopfen finden, der zum Bierbrauen benötigt wurde.

Diese damit greifbare Klosterbrauerei hat aber mit unseren Vorstellungen noch recht wenig zu tun. Gebraut wurde im beginnenden 12. Jahrhundert wohl im Zusammenhang mit dem Küchenbetrieb. Der älteste Standort der Klosterbrauerei dürfte somit in den Räumlichkeiten des heutigen Pfarramtes unter dem Prälatensaal liegen, welche noch bis in das letzte Jahrhundert hinein der Klosterküche u. a. als Vorratsräume zur Verfügung standen und auch ganz alte Vorratskeller aufweisen. Damit war diese Klosterbrauerei ein recht kleiner und übersichtlicher Betrieb, der lediglich für den Bedarf des Klosters samt seiner wohl schon damals zahlreichen Bediensteten Bier braute.

Das Bierbrauen war für die Hirsauer Reformklöster übrigens durchaus üblich. Die ersten Mönche, die in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts nach Bayrischzell bzw. Fischbachau aus Hirsau kamen, wussten um die Gebräuche in ihrer Mutterabtei. In Hirsau braute man Bier, um zum einen der Weisung des hl. Benedikt zu entsprechen, der in seiner Regel den Wein für die Mönche ablehnte (vgl. RB 40), und zum anderen aus Kostengründen. Bier war nicht nur für das Kloster Hirsau im Nordschwarzwald günstiger als Wein, der in damaliger Zeit als Alltagsgetränk weit verbreitet war.

So war Bayern damals sicher noch nicht das Bierland, wie es uns manche Werbung vorspiegelt. Der Wein, der allenorten angebaut wurde, war dem Bier mindestens ebenbürtig. Erst als im 13. bzw. 14. Jahrhundert größere klimatische Veränderungen vor sich gingen und der Weinanbau in Ober- und Niederbayern aufgrund stetig sinkender Durchschnittstemperaturen immer problematischer wurde, wuchs dem Bier größere Bedeutung zu. Aus dem Weinland Bayern wurde ein Bierland. Das Bier hat sich als Bayerisches Nationalgetränk durchgesetzt.

Für den damit verbundenen steigenden Bedarf war die alte Klosterbrauerei zu klein geworden. So wurde unter Abt Georg Sperl (1467-1489), übrigens einem gebürtigen Scheyrer, der auch ob seiner Wohltätigkeit als Vater der Armen bezeichnet wurde, ein neues Brauhaus errichtet. Dieses sollte den gestiegenen Bedarf in der Klosterhofmark Scheyern befriedigen und wurde neben dem heutigen Seminartor (Osttor) errichtet.

Interessant ist, dass sich aus dieser doch frühen Zeit nicht nur Belege für die Erneuerung der Klosterbrauerei finden, sondern dass man sich auch Gedanken über eine möglichst gute Qualität machte. So versucht eine Dienstbotenordnung von Abt Paulus Preu (1489-1505) u. a. die gute Qualität des Klosterbieres festzuschreiben. Vom Braumeister werden – wie heute noch – „Aufrichtigkeit und Gemundlichkeit“ in der Bierherstellung verlangt.

Eine gewisse Blütezeit erlebte das Kloster dann unter Abt Johannes Turbeit, der gefragter Berater der bayerischen Herrscher war. In seiner Regierungszeit von 1510 bis 1520 werden die Gebäude vom Osttor bis zum Westtor erneuert. Neben Gastwohnungen und einer Bäckerei entsteht dort auch ein neues und erneut größeres Brauhaus.

Die wachsende Zahl der Wallfahrer und Gäste, wie sicher auch der gute Ruf des Klosterbieres, ließen es unter Abt Georg Neubeck (1558-1574) notwendig erscheinen, neben dem Ausschank in der Brauerei eine eigene Tavernwirtschaft zu errichten. Diese sollte auch die nach dem Genuss des Klosterbieres wohl recht ausgelassenen Biertrinker wenigstens in gehörigem Abstand zum eigentlichen Kloster halten. So wurde östlich am Fuß des Klosterberges eine eigene Taverne errichtet. Damit erfolgte der Ausschank der Klosterbiere auch erstmals außerhalb der Klostermauern und es waren die Ansätze geschaffen, die für die Klosterbrauerei in den nächsten Jahrhunderten prägend wurden.

Dass sich das Scheyrer Klosterbier großer Beliebtheit erfreute und dadurch den Neid anderer Brauer hervorrief, soll in diesem kurzen geschichtlichen Überblick nicht ganz verschwiegen werden. Gerade aus der späteren Barockzeit (18. Jahrhundert) ist ein sich über Jahrzehnte hinziehender, umfassender Schriftwechsel erhalten, der Bezug nimmt auf Klagen von Pfaffenhofener Brauern, die wegen angeblich zu billigen Bierverkaufs gegen das Kloster vorgehen wollten. Sämtliche Klagen erreichen aber nicht ihr Ziel. Ein Glück für die Untertanen in der Klosterhofmark und wohl auch für nicht wenige darüber hinaus! Die Brauerei erwirtschaftete übrigens in diesen Jahrzehnten für das Kloster den größten Ertrag der Eigenbetriebe. In einem eigenen Artikel wird in einer der nächsten Turmausgaben darauf genauer eingegangen werden.

Als 1803 in Folge der Säkularisation alle Klöster in Bayern aufgehoben wurden, ging der Betrieb in der Klosterbrauerei ohne Einschränkung weiter. 1805/06 wurde die Brauerei mit dem gesamten Klosterkomplex bezeichnenderweise von der Bierbrauerfamilie Stängl aus Pilsting a. d. Isar erworben. Mehrmals wechselten in den folgenden drei Jahrzehnten die Besitzer, bis es König Ludwig I. nach mehreren Anläufen gelang, 1838 das Klosterleben in Scheyern wieder zu ermöglichen. Die Brauerei wurde neben Land- und Forstwirtschaft und der Pfarrei Scheyern der damals kleinen Gemeinschaft zur Sicherung ihrer Einnahmen übergeben.

Diese entschloß sich bereits 1862, die eigene Klosterschenke gründlich zu erneuern. Mit dem Anbau des heutigen Festsaales (Schyrensaal) wurden Stallungen für die Pferde der Reisenden, darüber eine Gaststube bzw. Saal und im Obergeschoß Gästezimmer errichtet. Noch heute werden diese Räume von der Klosterschenke bewirtschaftet.

Im Laufe der Jahre wurde die Brauerei allerdings mehr und mehr zum Sorgenkind. Noch immer befand sie sich in den von Abt Johnnes Turbeit im 16. Jahrhundert geschaffenen Räumlichkeiten. Platzmangel und veraltete technische Anlagen wurden vom Cellerar wie auch von den in der Brauerei beschäftigten Brüdern beklagt. Auch diese Jahre sind es wert, in einem eigenen Artikel der nächsten Turmausgaben genauer beschrieben zu werden. Um wenigstens eine gewisse Abhilfe zu schaffen, wurde trotz der großen wirtschaftlichen Belastung durch die Wiederbegründung der Klöster Ettal im Jahr 1900 und Plankstetten im Jahr 1904 wenigstens die Brautechnik teilweise erneuert.

Dem in allen Arbeitsprozessen hinderlichen Platzmangel wurde erst mit dem Neubau, und damit dem Bau des heutigen Brauhauses langfristig begegnet. Im Jahr 1929 wurde an der Stelle der alten Sommerkeller vor dem Westtor ein neues Brauhaus gebaut. In diesem waren Sudhaus und Lagerkeller genauso untergebracht, wie Mälzerei und Darre, Schäfflerei, Abfüllung und Bierlager. Um die von der Klosterbrauerei zu beliefernden Münchener Gaststätten versorgen zu können, wurde in München ein weiteres Bierdepot errichtet.

In den Kriegsjahren blieb die Klosterbrauerei weitgehend unversehrt. Allerdings kam es in den Jahren danach zu einem Brand, dem nahezu der Dachstuhl gänzlich zum Opfer fiel. Schlimmer waren aber gewisse betriebsinterne, hausgemachte Schwierigkeiten. Obwohl man im Kloster in diesen Jahren sogar zwei Braumeister unter den Mitbrüdern hatte, gab es menschliche Differenzen zwischen ihnen, heute würde man wohl von einem Generationenkonflikt sprechen. So griff man 1951 auf Hilfe von Außen zurück.

Mit einem Braumeister aus Augsburg, der leihweise für ein paar Wochen im Betrieb mithelfen sollte, begann die über fünf Jahrzehnte dauernde Zusammenarbeit mit der Hasen-Brauerei Augsburg. Die Brauerei wurde verpachtet, nicht zuletzt, um dem härter werdenden Wettbewerb, der dem Kloster aus damaliger wie aus heutiger Sicht nicht zuträglich gewesen wäre, zu entgehen. Leider bedeutete dieser Rückzug aus dem aktiven Braubetrieb schrittweise auch eine Abnahme des Engagements für die Brauerei. Um den stets notwendigen Wartungs- und Erneuerungsmaßnahmen zu entgehen, wurde in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts die gesamte Brautechnik an den Pächter übergeben. Dieser sollte nun für eine zeitgemäße und für den Braubetrieb erforderliche technische Ausstattung sorgen.

Der stetig wachsende Konkurrenzdruck, um es wohlwollend zu formulieren, machte solche Investitionen aber auch für die Augsburger Hasen-Bräu nicht möglich. Im Gegenteil: Investiert wurde seither kaum mehr in die Scheyrer Klosterbrauerei. Die Betriebsführung wurde somit immer schwieriger. So wurde in den Achtziger Jahren die unrentable und restlos veraltete Flaschenabfüllung in Scheyern aufgegeben und das Klosterbier in Augsburg abgefüllt. Schritt um Schritt wurde auch die Bierherstellung verlagert. Die Tage, an denen gesiedet wurde, konnte man an den Fingern abzählen, bis die Bierherstellung 1991 auch offiziell ganz nach Augsburg verlagert wurde.

Der Pachtvertrag ermöglichte dies, so dass vor Ort gerade einmal ein Getränkedepot übrig blieb. Der Vertrieb des Klosterbieres „Marke Scheyern“ blieb weiterhin bestehen. Dem „Klosterdunklen“ gelang es sogar, das hauseigene Dunkel der Hasenbrauerei zu verdrängen. Vor Ort in Scheyern war von der verpachteten Klosterbrauerei jedoch nur ein baufälliges Gebäude geblieben. Damit hätte nun eine nachweisliche fast 900-jährige Biergeschichte in Scheyern zu Ende sein können. Doch wie das bei so manchen der alten Klöster ist: wenn man das Ende schon nahe sieht, keimt wieder neues Leben auf.

Sanierung der Klosterbrauerei Scheyern

Nachdem bereits am Ende der Neunzigerjahre des letzten Jahrhunderts in der Klostergemeinschaft die Zukunft der Klosterbrauerei öfter lebhaft andiskutiert wurde, gewann diese Frage mit dem nahenden Pachtende 2001 an Aktualität. Auch seitens der Hasen-Brauerei, die längst ihre Selbständigkeit verloren hatte und nun Tucher-Bräu in Nürnberg gehört, mussten Überlegungen angestellt werden, wie es mit dem Bier „Marke Scheyern“ weitergehen könnte. In den damals beginnenden Gesprächen musste zuerst auf die rechtlichen Rahmenbedingungen eingegangen werden.

Die Klosterbrauerei war lediglich verpachtet. Alle Rechte fielen nach Ablauf der Pachtfrist an das Kloster zurück. Bedauerlich war, dass es im Pachtvertrag keine Regelung bezüglich der zwischenzeitlich veralteten und von der Hausen-Bräu sogar verkauften technischen Anlagen gab. Im Lauf der Gespräche wurde allen Beteiligten mehr und mehr klar, dass die Klosterbrauerei Scheyern nur Zukunft hat, wenn sich das Kloster wieder selber aktiv in diesem Wirtschaftsbereich engagiert. Doch manche Mitbrüder fragten mit Recht, ob solche Investitionen angesichts einer über schon Jahre angespannten wirtschaftlichen Lage, nicht nur in Deutschland, zu rechtfertigen sind.

Nachdem bereits im Jahr 2000 klar war, dass P. Lukas mehr und mehr Verantwortung in der Klosterverwaltung zu übernehmen hätte, P. Dominikus, der über vier Jahrzehnte als Cellerar die wirtschaftlichen Geschicke des Klosters sehr erfolgreich gelenkt hatte, durchaus offen für Neues war und seinem Nachfolger großen Handlungsspielraum ließ, und schließlich im Jahr 2001 mit Abt Engelbert, der Sohn eines Brauers aus der Klosterbrauerei, zum Abt gewählt worden war, war der Weg frei für weitere Planungen.

Im Sommer 2004 lag eine Studie vor, die sich auf Grundlage der gegebenen Situation mit einer Weiterführung der Brautradition in Scheyern befasste. Diese ließ eine kleine, am örtlichen Bedarf ausgerichtete Brauerei nicht nur möglich, sondern auch als langfristig wirtschaftlich sinnvoll erscheinen. Parallel wurde mit Hasen-Bräu weiter verhandelt und der Pachtvertrag zweimal um je zwei Jahre verlängert. Mehr und mehr wurde klar, dass Hasen- bzw. Tucher-Bräu zwar Interesse an einem weiteren Vertrieb des Klosterbieres hatte, jedoch – wie anfangs nicht unbedingt klar – sich an einer Sanierung der Klosterbrauerei in Scheyern nicht beteiligen werde.

Im Kloster wurde weiter an den Plänen zur Sanierung der Brauerei gearbeitet: Regional Vertrieb, Flaschenabfüllung, Gasthausbrauerei oder eigene Brauerei, Umbau des Brauhauses für schulische Zwecke, Abriss des Gebäudes, Kosten einer Sanierung, Fragen der Arbeitsbelastung für den jungen Cellerar, Finanzierung des Vorhabens, weitere Zusammenarbeit mit Hasen-Bräu, Energieversorgung, Absatz des Klosterbieres, etc …? Schritt um Schritt konnten Lösungen gefunden werden. Als P. Lukas dann das Gesamtvorhaben „Klosterbrauerei“, das nun auch den Bau eines Biomasseheizkraftwerkes (vgl. eigener Bericht) und die Sanierung der Klosterschenke umfasste, im Februar 2005 im Konventkapitel vorstellte, fand es über die Maßen große Zustimmung.

Nun war grünes Licht gegeben.  Aus Kostengründen musste das Vorhaben schnell umgesetzt werden. Der technische Planer, Dr. Ing. Georg Schu, konnte auf der Grundlage der erwähnten Machbarkeitsstudie die Ausschreibung für die wichtigsten Gewerke vornehmen. Ein Architekt mit großer Erfahrung im Brauereibereich, Christian Hartl, konnte erste Planskizzen in zur Genehmigung einzureichende Pläne umwandeln.

Bereits im Mai 2005 wurde mit den ersten Baumaßnahmen begonnen, Entrümpeln und Entsorgen des Brauereischrottes (kann nur so beschrieben werden) und Sanierung des bereits undichten Daches. Zeitgleich mussten viele behördliche Hürden genommen werden,  u.a. ein Gutachten für die Abwasserentsorgung und natürlich Verhandlungen mit dem Denkmalamt. Nicht unerheblich war auch die Finanzierung, die, wie leicht vorstellbar, auf der Zusage eines nicht unerheblichen Anteils an Fremdmitteln beruhte. Noch im Juli 2005 konnte der Auftrag für die Brautechnik vergeben werden und die Öffentlichkeit - wen wundert’s? - war überrascht und gleichzeitig erfreut, dass es dem Kloster mit der Wiedereröffnung der Klosterbrauerei nun offensichtlich ernst war.

Während den ganzen Sommer 2005 an Dach und Fassade des Brauhauses gebaut wurde, entstanden, nahezu verborgen, in Freising bei der Firma Nerb die Sudgefäße. Diese wurden relativ klein ausgeführt, aber damit auf den regionalen Bedarf abgestimmt. Nachdem klar war, dass auf eine Wasseraufbereitung weitgehend verzichtet werden konnte, wurden zwei Wasserspeicher für das Sudhaus angefertigt. Mit einem Warmwassertank von ca. 60 hl und einem  Kaltwassertank von ca. 40 hl kann im Sudhaus ein reibungsloser Betrieb gewährleistet werden.

Das Sudwerk besteht aus zwei Geräten (Maische-/Würzepfanne und Läuterbottich) mit einer Ausschlagmenge je Sud von 20 hl. An einem Arbeitstag können zwei Sude gefahren werden, so dass damit ca. 40 hl Heißwürze erzeugt werden. In der selben Größe wurde der entsprechende Whirlpool ausgelegt, der nicht zu einem etwaigen klösterlichen Wellness-Bereich gehört, sondern zur Reinigung der Heißwürze vor dem Gärprozess dient. Neben einer Spindelstation, diversen Pumpen, Ventilen und der Würzekühlung wurde im Sudhaus auch eine CIP-Anlage installiert, die eine Reinigung aller Sudgefäße samt Verrohrung auf höchstem hygienischem Niveau ermöglicht.

Nachdem die Energieversorgung durch das neue Biomasseheizkraftwerk erfolgen würde, musste in dem dem Sudhaus gegenüberliegenden Raum nur ein kleiner Dampfkessel für Notfälle installiert werden. Daneben sind die Kälteversorgung und die Versorgung mit Druckluft untergebracht. Im Gär- und Lagerkeller wurden sechs 40 hl Tanks und drei 20 hl Tanks aufgestellt. Hier entsteht durch alkoholische Gärung aus der Heißwürze Bier, das dann - nach einer angemessenen Lagerzeit - genossen werden kann. Bei der gesamten Sudtechnik hat sich das Kloster für Edelstahl entschieden. Dies entspricht nicht nur dem heutigen technischen Standart, sondern ermöglicht auch höchste Ansprüche an die notwendige Hygiene in einem Lebensmittelbetrieb.

Auf vielerorts übliche Verblendung mit Kupferhauben wurde verzichtet, muss doch bei der historischen Glaubwürdigkeit der Klosterbrauerei Tradition und Geschichte nicht künstlich erzeugt werden. In einem Zwischengeschoß wurden zwei Drucktanks (40 bzw. 20 hl) errichtet. Dort wird das fertige Bier filtriert und abgefüllt. Es musste auch ein Filter und eine Fassreinigungsanlage angeschafft werden. Während die Fassabfüllung im eigenen Haus geschieht, werden die Flaschenbiere in der nur gut 25 km entfernten Schlossbrauerei Kühbach abgefüllt. Dazu, wie auch für den Heimdienst und Vertrieb, war ein LKW und ein entsprechender Tankanhänger (50 hl) reforderlich.

Eine eigene, den Anforderungen entsprechende, Flaschenfüllanlage ist bei einer durchschnittlichen Füllmenge von ca. 50 hl/Woche nicht sinnvoll. Natürlich wurden für die Abfüllung nicht nur ca. 200 Bierfässer unterschiedlicher Größen, sondern auch Bierträger und mehrere zehntausend Flaschen gekauft. Die Etiketten nehmen übrigens Bezug auf das alte Logo der Klosterbrauerei und wurden grafisch neu gestaltet von Franz Böhm, dem ortsansässigen Inhaber einer Werbefirma. Nach Möglichkeit haben wir bei allen anfallenden Bau- und Fertigungsmaßnahmen einheimische Firmen betraut.

Um das aus regionalem Anbau stammende Malz und den heimischen Hopfen entsprechend lagern zu können, mussten wir verschiedene Umbauten im oberen Bereich des Brauhauses vornehmen. So findet sich dort nicht nur eine neue Schrotmühle, sondern auch vier Silos aus Trevira für insgesamt 20 Tonnen Malz, wie auch ein entsprechender Hopfengeber. Bei der technischen Steuerung sämtlicher Brauprozesse haben wir uns für einen hohen Technisierungsgrad entschieden. Das soll nicht nur dem Braumeister den Betrieb erleichtern, sondern auch für eine weitgehend gleich hohe Qualität der Klosterbiere sorgen.

Neben den technischen Anlagen, von denen hier nur die wichtigsten aufgezählt sind, musste die gesamte Verrohrung erneuert werden. Sogar die Grundleitungen wurden ausgetauscht. Den Auflagen entsprechend entstand in der bisherigen Darre ein zweites Treppenhaus. Zwischen dem Sudhaus und der Betriebswohnung des Braumeisters, die ebenfalls von Grund auf saniert wurde, entstanden ein Büro und diverse Lagerräume.

Bei der unverkennbaren Fülle der notwendigen Maßnahmen wird schnell klar, dass es ein hochgestecktes Ziel war, am 1. Mai 2006 die Brauerei feierlich einzuweihen und im Rahmen eines Brauereifestes das erste Bier zu verkosten. Aber alles schön der Reihe nach!

Neues Bräustüberl und Sanierung der Klosterschenke

Zu den alten Wirtschaftsbetrieben des Klosters zählt auch die Klosterschenke. Sie war im Jahr 1990 für 15 Jahre verpachtet worden, also lief mit dem Jahr 2005 der Pachtvertrag aus. So ein Zusammenhang gibt ohnehin Anlass für notwendige Sanierungsmaßnahmen. Nachdem die Pächterfamilie Vogt sich in den vergangen Jahren einen guten Namen bezüglich einer gehoben-bürgerlichen Gastronomie gemacht hatte, stellte sich zudem die Frage, ob nicht nach der begonnenen Sanierung der Klosterbrauerei der Bierabsatz in der Klosterschenke verbessert werden kann. Die Lösung liegt in einer biertypischen Gastronomie, ohne den gehobenen Restaurantcharakter aufzugeben. Schnell wurde uns klar, dass ein eigenes Bräustüberl mit Holzvertäfelung, festen Tischen und urigem Ambiente die beste Lösung sei.

So wurden nur einen Monat nach der Planeinreichung für die Brauerei Pläne für ein künftiges Bräustüberl bei den Behörden eingereicht. Dieses sollte unter dem bisherigen Schenksaal eingerichtet werden. Dort befand sich ein schönes Gewölbe, - doch nicht nur das! War hier früher der Pferdestall gewesen, hatte man hier zu späterer Zeit Garagen eingebaut, so genützt bis Januar 2006. Die ehemaligen Stallhallen waren teilweise abgemauert und wurden als Heiz- und Lagerräume der Klosterschenke, sowie von unserem Hauselektromeister, Frater Kilian, als Werkstatt genutzt.

Was war also zu tun? Zuerst einmal Begeisterung für ein Bräustüberl schaffen, dann Stellplätze für die Autos suchen, die Klosterschenke an die neue zentrale Biomasseheizung anschließen, Lagerräume im bisherigen Brotzeitstüberl unserer Handwerker schaffen, für diese ein neues „Brotzeitkammerl“, den Schalander, in der Brauerei bauen und für Frater Kilian andere Werk- und Lagerräume unter der Klosterverwaltung bzw. in der Brauerei finden! Nachdem dies alles erfolgt war, begann im Dezember 2005 das große Aus- bzw. Umräumen.

Da die Küche den betrieblichen Anforderungen nicht mehr entsprach, wurde von unserer Pächterfamilie Vogt die Küchenplanung übernommen. Dabei war zunächst ganz offen, ob und wie der weitere Betrieb der Klosterschenke erfolgen könne. Eine Übernahme in Eigenregie des Klosters war schnell ausgeschlossen, und ebenso schnell fiel die Entscheidung für den bisherigen Pächter. Es gab zwar viele Interessenten für einen entsprechend renommierten Gastronomiebetrieb, doch dafür ist Erfahrung und Können erforderlich.

Nachdem die Familie Vogt mehr als zehn Jahre das große gastronomisches Objekt Klosterschenke erfolgreich geführt hat, wurde der Gedanke an einen Pächterwechsel schnell wieder zu den Akten gelegt. So erklärt sich auch das große Engagement der Familie Vogt während der Umbauphase:  bis auf zwei Wochen war die Klosterschenke in der Umbauphase täglich für die Gäste geöffnet, eine beachtliche Leistung! Während bei der Küchenerneuerung die Kühlräume, die Installation, die komplette neue Elektrik und natürlich auch die Fliesen- und Malerarbeiten vom Kloster getragen wurden, wurde die Kücheneinrichtung samt aller Geräte von der Pächterfamilie finanziert.

Doch noch einmal zurück zu den Planungen: Es war nicht einfach,  zwischen dem geplanten Bräustüberl und dem bisherigen Restaurantbereich und Biergarten eine Verbindung zu schaffen. Zudem sollte der Weg von den Hotelzimmern und vom Saal in die Gaststube nicht mehr unmittelbar zwischen Essensausgabe und Schanktheke hindurch führen. Wir fanden die Lösung in einem kleinen Anbau. Dadurch war es möglich, das Bräustüberl vom Erdgeschoss aus zu besuchen, die gewünschte Verbindung zu schaffen und zudem einen repräsentativen Eingangs- und Rezeptionsbereich zu errichten. Damit war klar, die Sanierung der Klosterschenke wird keine Schönheitsreparatur, sondern neben dem Biomasseheizkraftwerk und dem Brauhaus die dritte Großbaustelle im Klosterbereich werden! Der einzige, der sich darüber wohl wirklich freute, war unser Baumeister Norbert Uhsler, der damit eine sichere Winterbaustelle bekam.

So richtig ernst wurde es nach dem Dreikönigstag 2006. Fast wehmütig trafen sich einzelne Mitbrüder und auch die Pächterfamilie am Abend des 8. Januar, um Abschied zu nehmen von einer nahezu 40-jährigen Einrichtung. Damals wusste niemand, ob es überhaupt möglich sein würde, bis Ostern wieder in den gewohnten Räumlichkeiten zu kochen und zu speisen. Für drei Monate war jedenfalls ein Küchencontainer bestellt,  die Nebenzimmer der Klosterschenke waren zunächst die einzig nutzbaren Gasträume. Doch was viele bezweifelt hatten, ist gelungen! Dank gebührt dem übergroßen Engagement der beteiligten Handwerker, die ihren persönlichen Ergeiz in einen zügigen Umbau der Klosterschenke legten. Schneller ging es wirklich nicht!

In der Karwoche konnte die Küche fertig gestellt werden, in der bisherigen Gaststube und im ersten Nebenzimmer die neue Einrichtung eingebaut werden, ein erstes Probekochen angesetzt werden und achte Tage später die „Klosterstub’n“ neu eröffnet werden! Auch die Sanitäranlagen für das Bräustüberl und den Schenksaal waren ebenfalls erneuert worden. Für die Fertigstellung des Bräustüberls blieben noch gut zwei Wochen bis zum 1. Mai, denn schließlich sollte doch auch dieses dann mit dem neuen, klostereigenen Bier eröffnet werden. 

Braumeister und Biertradition

Viel ist nun schon gesagt über die Sanierung unserer Klosterbrauerei und Klosterschenke. Damit das alles aber nicht ein lebloser Rahmen bleibt, brauchte es gleichsam eine Seele, und das ist für eine Brauerei und für den eigenen Brauereigasthof natürlich das Bier. Doch das Bier will erst gebraut sein und dazu ist ein Braumeister nötig. Und wer für die Klosterbrauerei und einen guten Sud zuständig ist, sollte wirklich ein Meister sein.

Solch einen Braumeister zu finden, hatten wir für den Herbst 2005 geplant. Doch bereits ab Mai liefen wöchentlich zahlreiche Bewerbungen in der Klosterverwaltung ein. Nach einer ersten Vorauswahl auf der Grundlage der Bewerbungsunterlagen wurden 15 Bewerber zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Drei von ihnen kamen in die engere Wahl, dazu ein Quereinsteiger, der sich Ende Juni noch beworben hatte. Der Bewerber wurde zu einem Vorstellungstermin eingeladen. P. Lukas nahm Einsicht in seine Zeugnisse, konnte sich einen ersten Eindruck machen und wusste: „Der wird’s!“

Doch so einfach wollte er es aber dem Bewerber und auch sich selber nicht machen. Also wurden, wie geplant, die vier ausgewählten Bewerber zu einem weiteren Gespräch unter Anwesenheit eines fachkundigen Beraters eingeladen. Auch hier bestand unser „Wunschkandidat“ und wurde daraufhin Abt Engelbert vorgestellt. Die Wahl fiel auf Tobias Huber aus Unterwittelsbach bei Aichach, damals noch nicht 25 Jahre alt, mit hervorragenden Noten, aber noch ohne Abschluss der Doemens-Meisterschule. Fachliche Zweifel gab es nicht. Eine erste Bestätigung der vom Kloster getroffenen Auswahl war dann die Auszeichnung von Tobias Huber mit dem Bayerischen Meisterpreis, der jährlich an die besten Absolventen verschiedener Handwerksberufe vergeben wird.

Nachdem die Entscheidung gefallen und ein Dienstvertrag unterschrieben war, blieb noch das Problem, dass die Klosterbrauerei wohl frühestens im Februar 2006 in Betrieb gehen könne und somit eine Anstellung erst ab Januar sinnvoll wäre. Mit dem Hinweis, die Zeit zu nutzen und in seinem Fach Erfahrungen zu sammeln, wurde der neue Braumeister über die gut halbjährliche Wartezeit vertröstet. Doch auch hier kam es anders. Nachdem unsere Klosterhandwerker fest in die Sanierungsmaßnahmen im Brauhaus eingebunden waren und die Arbeit immer mehr wurde, konnte jede Hand gebraucht werden.

So entschloss sich P. Lukas, den neuen Braumeister nicht dem Arbeitsamt zu überlassen, sondern schon ab September buchstäblich als Bauarbeiter anzustellen. Diese Entscheidung erwies sich als richtig. Zum einen wuchs unser Braumeister so richtig in die Brauerei hinein, da er wirklich von Anfang an nicht nur dabei war, sondern auch in so manche Entscheidung eingebunden wurde, zum anderen konnte man sich in aller Ruhe mit den künftig zu brauenden Klosterbieren beschäftigen.

Auch diese Frage war nicht so einfach zu lösen. Dass es ein „Helles“ und ein „Dunkles geben sollte, war klar. Hier konnten wir auf die Scheyrer Tradition zurückgreifen. Das helle Klosterbier war immer schon etwas stärker, die Bezeichnung Exportbier wäre hier sicher passend, und  es sollte wieder den typisch süffigen Geschmack der Holledauer Biere haben. Das Dunkel sollte nach Klostertradition nur aus dunklem Malz gebraut werden.

Das klingt einfach, doch nach gemeinsamer Rohstoffauswahl mussten vom Braumeister die Rezepte auf eine neue technische Anlage übertragen werden. Das hätte eigentlich schon genügt. Doch was ist eine bayerische Brauerei, wenn es kein „Weißbier“ gibt? Sollten wir Weißbier schon von Anfang an brauen? Nicht wenige „Experten“ meldeten hier Bedenken an. Doch warum nicht? Die Technik war dafür ausgelegt, unser Braumeister brachte die nötige Erfahrung mit, und für die Klosterbrauerei ein ganz neues Bier, ohne jegliche Vorgaben,  zu entwickeln, war eine gewaltige Chance. Also war auch diese Frage bald beantwortet: Es gibt am 1. Mai 2006 in der Scheyrer Klosterbrauerei folgende Biersorten:  Klosterbier-Hell, im Fass auch naturtrüb, Klosterbier-Dunkel und auch ein Kloster-Weißbier.

Aufnahme des Braubetriebes

Bis die ersten eigenen Biere verkostet werden konnten, verging wiederum einige Zeit. Die Zeit war knapp und wurde immer enger. Eigentlich sollte noch im Februar die Brautechnik betriebsbereit sein, aber auf Baustellen gibt es immer diverse Gründe, warum die Arbeiten andauern. Schließlich war es soweit. Es mag fast fromm klingen, aber am Josephi-Tag, den 19. März 2006, wurde der erste Wassersud gefahren, die Anlage gereinigt und getestet, und am 21. März 2006, dem Festtag des hl. Benedikt, konnte unser Braumeister Tobias Huber die erste Bierwürze in den Gärkeller pumpen.

Nach 15 Jahren Pause gab es nun den ersten Sud am Fest des hl. Benedikt. Natürlich konnte über das Gelingen letztlich erst nach einer mehrwöchigen Gär- und Lagerzeit entschieden werden, und das bedeutete, erst kurz vor dem 1. Mai, der offiziellen Wiedereröffnung unserer Klosterbrauerei. Ein Fehlschuss war also nicht drin, aber was soll schon passieren, wenn die Klosterbrauerei am Benediktstag den Betrieb wieder aufgenommen hatte! Getragen von diesem verhaltenen Optimismus wurde schon tags darauf für das erste Dunkle gesiedet und in der folgenden Woche für das neue Kloster-Weißbier. Die Bierproduktion lief an, zugleich wurden verschiedene Restarbeiten in den folgenden Wochen Stück um Stück abgearbeitet. Zwar gelang es bis heute noch nicht, einen Museumsraum für Besucher einzurichten, aber dessen Fertigstellung ist im Frühjahr 2007 geplant.

In den letzten Apriltagen konnte dann die erste Bierprobe stattfinden. Am späteren Nachmittag versammelten sich P. Lukas, Fr. Kilian und eine ganze Reihe von Handwerkern im Lagerkeller und verkosteten das noch junge Bier im naturtrüben Zustand direkt an Ort und Stelle. Das Ergebnis war über die Erwartungen hinaus positiv. Die Handwerker des Sudhausbaues waren überzeugt, dass die Klosterbrauerei mit diesen Bieren im obersten Bereich der Bayerischen Biere anzusiedeln sei. Welches nun das beste Bier sei – das Klosterbier-Hell, oder vielleicht das Kloster-Weißbier oder dann doch das Klosterbier-Dunkel, konnte an diesem Abend nicht beantwortet werden.

Wenn am Tag darauf keinerlei Kopfschmerzen oder andere Ausfallerscheinungen bekannt würden, sprach das weniger für eine möglicherweise gebotene Zurückhaltung beim Trinken, sondern vielmehr für die Qualität des neuen Klosterbieres. Übrigens soll das Scheyrer Klosterbier nach glaubhaften Angaben einer Kundin auch gegen das Schnarchen des Ehegatten wirken! Die erste Bierprobe im größeren Rahmen fand dann im Rahmen des Treffens „Freundeskreis der Benediktinerabtei Scheyern“ statt, und weil das nicht genügt, wurde noch einmal mit allen beteiligten Firmen kurz vor dem 1. Mai im noch nicht offiziell eröffneten Bräustüberl gefeiert.

Wiedereröffnung der Klosterbrauerei und erste Betriebserfahrungen

Grund zum Feiern gab es wirklich. Wir hatten es geschafft, zum 1. Mai die Klosterbrauerei und das neue Bräustüberl fertig zustellen und das erste Bier lagerte nicht nur im Keller, sondern war schon in Fass und Flasche abgefüllt.

Am 1. Mai konnte nun wirklich freudig gefeiert werden. Im Hof zwischen Brauerei, Metzgerei und Klosterschenke wurden in den frühen Morgenstunden ca. 200 Biertischgarnituren aufgestellt. In der Klostermetzgerei und in der Klosterschenke begann man schon früh mit den Vorbereitungsarbeiten in der Küche. Nach der noch kalten Witterung im April hofften wir auf einen ersten warmen, sonnigen Tag. Und den schenkte uns der Himmel! Die Basilika war zum Festgottesdienst brechend voll. Abt Engelbert sprach in seiner Predigt nicht nur vom Fest der Patrona Bavariae, das bekanntlich am 1. Mai gefeiert wird, sondern konnte im Evangelium von der Hochzeit zu Kana auch Verbindungen zur Wiedereröffnung der Brauerei finden.

Mit der Waisenhausmesse von W. A. Mozart gestalteten unser Chor und Orchester festlich den Gottesdienst, und als zum Schluss, von Orgel und Orchester begleitet, die Bayernhymne erklang, wurden nicht nur manch hart gesottenen Burschen die Augen feucht. Wenn auch eigentlicher Mittelpunkt des Tages, so war doch der Gottesdienst, was das Festprogramm anbelangte, erst der Auftakt. Angeführt von der Scheyrer Blaskapelle und den Fahnenabordnungen aller örtlichen Vereine zog der ganze Konvent mit dem Braumeister, mit Gästen und unter übergroßer Beteiligung der Bevölkerung über den Schyrenplatz um das Kloster bis zur, in der Sonne strahlenden, Klosterbrauerei.

Dort begrüßte P. Lukas die zahlreichen Gäste. Schnell wurde klar, dass die Zahl von 2.000 Besuchern weit überschritten war. Neben Vertretern anderer Klöster, darunter Mitbrüder bzw. Mitschwestern der ebenfalls noch Brauereien betreibenden Klöster Andechs und Mallersdorf, freute sich die ganze Klostergemeinschaft über die Anwesenheit von Regierungspräsident Christoph Hillenbrandt, Landrat Rudi Engelhard, unserer Bundestagsabgeordneten, der beiden Landtagsabgeordneten unseres Landkreises, der Bürgermeister von Scheyern und der Stadt Pfaffenhofen, wie der umliegenden Gemeinden und über viele, viele liebe Gäste.

Nach einem kurzen Überblick über die Baumaßnahmen dankte P. Lukas vor allem seinen Mitbrüdern, die dieses Projekt mit ermöglicht und stets tapfer mitgetragen hatten, wie den beteiligten Firmen mit ihren zahlreichen Mitarbeitern. Anschließend richtete Regierungspräsident Christoph Hillenbrandt ein launiges und gut gewähltes Grußwort an die große Versammlung. Danach dankte Abt Engelbert allen, die an der Wiedererrichtung der Klosterbrauerei mitgewirkt hatten, wünschte weiterhin Erfolg, ermahnte vorausschauend, nicht über den Durst zu trinken, und erbat feierlich Gottes Segen. Während er mit P. Lukas und Braumeister Huber dazu auch die Brauerei betrat, konnten die ersten Durstigen es kaum noch erwarten.

Ausgeschenkt wurde in Halbekrügen bzw. in Weißbiergläsern. Was als Erleichterung zur Verkostung aller Biere gedacht war, entwickelte sich als Engpass beim Einschänken. Die Zapfhähne blieben wirklich den ganzen Tag offen. Neben unseren Angestellten halfen alle Mitbrüder nach Kräften zusammen. Doch trotz langer Warteschlangen vor dem Bierausschank, überfüllter Klostermetzergei, kaum freier Sitzplätze und auch voller Klosterschenke blieb die Stimmung ausgezeichnet. Aufgespielt wurde den ganzen Tag von der Scheyrer Blaskapelle, den Dochrinnageiern und der Münchner Jazz-Band Allotria.

Als nach einer abendlichen Maiandacht in der Basilika noch immer die Besucher beim Bier anstanden, zweifelten wir schon, ob der erste milde Tag des Jahres wirklich so ideal für die Brauereieröffnung gewesen war. Doch nach Anbruch der Dunkelheit wurde es allmählich ruhiger und gegen Mitternacht leerte sich auch langsam das neue Bräustüberl. Die Besucherzahl kann freilich nur geschätzt werden, aber nach realistischer Annahme muss von sieben- bis achttausend Gästen ausgegangen werden, die nach unzähligen Aussagen vom Klosterbier begeistert waren.

Der Ansturm hielt an. Am folgenden Tag wurde der klostereigene Getränkemarkt, für den unser Brauer Günther Maierhold verantwortlich ist, förmlich gestürmt. Aber noch war es nicht gelungen,  die Klosterbrauerei leer zu trinken. Das trat wirklich eine Woche später ein mit der Folge, dass inzwischen zwei weitere Gär- und Lagertanks angeschafft wurden und bis zu deren Lieferung im Sommer kein „Dunkles“ mehr in Flaschen verkauft werden konnte. Nachdem am 1. Mai großes Interesse bestand, die sanierte Klosterbrauerei zu besichtigen, entschlossen wir uns, zu einem „Tag der offenen Tür“ einzuladen. Dieses Abgebot lockte am 27. Mai wieder gut 2.500 Besucher an.

Für den „Hopfazupfa-Jahrtag“, der heuer am 15. August zum ersten Mal im Prielhof stattfand, wurde ein eigenes Festbier gebraut. Da der Ansturm mit über 5.000 Besuchern wiederum überraschend groß war, blieben leider nur kleine Restmengen für den Flaschenverkauf übrig. Besserung im kommenden Jahr wird gelobt! Derzeit lagert der Doppelbock in den Kellern der Klosterbrauerei. Er ist ein besonderes Schmankerl für die Advents- und Weihnachtszeit. Es bleibt abzuwarten, wie lange er reicht.

Natürlich ist es nach einem halben Jahr verfrüht, ein Resümee zu ziehen. Der Start der Klosterbrauerei darf aber als sehr gelungen bezeichnet werden. Das Interesse der Öffentlichkeit ist immer noch groß. Wir bedanken auch sehr bei der örtlichen wie überregionalen Presse, sowie bei Rundfunk und Fernsehen, die die Wiedereröffnung der Klosterbrauerei in vielfältiger Form aufgegriffen haben. Die Nachfrage hält derzeit, trotz Ende der Biergartensaison, immer noch an. Bier als Mangelware und, wie erlebt, Abverkauf vom Lastwagen sollten aber dann doch der Vergangenheit angehören.

Die Klosterbiere aus der Klosterbrauerei sind natürlich in der Klosterschenke zu genießen und derzeit auch in den Gaststätten „Hoiß“, Mitterscheyern, und „Hecht“, Hirschenhausen. Der Verkauf in Flaschen läuft über den klostereigenen Getränkemarkt. Für den überregionalen Markt wird von der Hasen-Bräu bzw. der Tucher-Brauerei in Lizenz Bier nach überarbeiteten Rezepturen unseres Braumeisters und unter seiner Kontrolle in Augsburg bzw. Nürnberg gebraut. Doch die Biere vor Ort unterscheiden sich eben doch in feinen, aber wesentlichen Nuancen. Das ganze Jahr über bieten wir unsere drei Hauptsorten Klosterbier-Hell (im Fass auch naturtrüb), Klosterbier-Dunkel und das Kloster-Weißbier an. Für die Advents- und Weihnachtszeit, wie auch in der Fastenzeit brauen wir einen dunklen Doppelbock, und im August gibt es wieder unser Festmärzen, das „Hopfazupfa-Bier“.

Da bleibt nur noch ein altbairisches „Prost“ auf die Klosterbrauerei!