Geschichte

„Die Kunst des Bierbrauens wurde nicht in Klöstern erfunden. Aber die Klöster brachten die Bierbrauerei voran. Daran besteht kein Zweifel. An ihnen lag es, dass das deutsche Bier immer besser wurde – und Klosterbier ist hervorragend.“

So und in vielen Varianten war es im Winter 2005/2006 in der regionalen Presse zu lesen, die mit großem Interesse über die Sanierung und Wiederinbetriebnahme des klösterlichen Brauhauses in Scheyern berichtete.

Die Anfänge der Brauerei in Scheyern

Als die Grafen von Scheyern ihre Stammburg in ein Kloster umwandelten und ab 1119 die Benediktinermönche dort Wohnung nahmen, war wohl bereits eine kleine Brauerei auch im Rahmen der Burganlage vorhanden. Nachweisbar ist eine solche aber erst mit der Klosterzeit. So lässt sich schon in den ältesten Abgabeverzeichnissen an das Kloster Hopfen finden, der zum Bierbrauen benötigt wurde. Im beginnenden 12.Jahrhundert wurde Gebraut wurde im beginnenden 12. Jahrhundert wurde wohl in Zusammenhang mit dem Küchenbetrieb gebraut. Der älteste Standort der Klosterbrauerei dürfte somit in den Räumlichkeiten des heutigen Pfarramtes unter dem Prälatensaal liegen. Das Bierbrauen war für die Hirsauer Reformklöster übrigens durchaus üblich. Die ersten Mönche, die in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts nach Bayrischzell bzw. Fischbachau aus Hirsau kamen, wussten um die Gebräuche in ihrer Mutterabtei. Bayern war damals sicher noch nicht das „Bierland“, wie es uns manche Werbung vorspiegelt. Erst im 14. Jahrhundert wuchs dem Bier eine größere Bedeutung zu, als der Weinanbau aufgrund von klimatischen Veränderungen problematischer wurde. Das Bier hat sich als Bayerisches Nationalgetränk durchgesetzt.
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Erneuerte Brauhäuser für die Benediktinerabtei

So wurde unter Abt Georg Sperl (1467-1489) ein neues Brauhaus errichtet. Dieses sollte dem gestiegenen Bedarf in der Klosterhofmark Scheyern gerecht werden. Eine gewisse Blütezeit erlebte das Kloster dann unter Abt Johannes Turbeit, der gefragter Berater der bayerischen Herrscher war. In seiner Regierungszeit von 1510 bis 1520 werden die Gebäude vom Osttor bis zum Westtor erneuert. Neben Gastwohnungen und einer Bäckerei entsteht dort auch ein neues und erneut größeres Brauhaus.
Die wachsende Zahl der Wallfahrer und Gäste und sicher auch der gute Ruf des Klosterbieres, ließen es unter Abt Georg Neubeck (1558-1574) notwendig erscheinen, neben dem Ausschank in der Brauerei eine eigene Tavernenwirtschaft zu errichten. Damit erfolgte der Ausschank der Klosterbiere auch erstmals außerhalb der Klostermauern und es waren prägende Ansätze für die nächsten Jahrhunderte geschaffen.
Als 1803 in Folge der Säkularisation alle Klöster in Bayern aufgehoben wurden, ging der Betrieb in der Klosterbrauerei ohne Einschränkung weiter. 1805/06 wurde die Brauerei mit dem gesamten Klosterkomplex bezeichnenderweise von der Bierbrauerfamilie Stängl aus Pilsting a. d. Isar erworben. 1862 wurde die eigene Klosterschenke gründlich erneuert. Mit dem Anbau des heutigen Festsaales (Schyrensaal) wurden Stallungen für die Pferde der Reisenden, darüber eine Gaststube bzw. Saal und im Obergeschoss Gästezimmer errichtet. Noch heute werden diese Räume von der Klosterschenke bewirtschaftet.
Im Laufe der Jahre wurden Platzmangel und veraltete technische Anlagen vom Cellerar und den Brüdern beklagt. Diesen hinderlichen Mängeln wurde erst mit dem Neubau, und damit dem Bau des heutigen Brauhauses langfristig begegnet. Im Jahr 1929 wurde an der Stelle der alten Sommerkeller vor dem Westtor ein neues Brauhaus gebaut. In diesem waren Sudhaus und Lagerkeller genauso untergebracht, wie Mälzerei und Darre, Schäfflerei, Abfüllung und Bierlager.
In den Kriegsjahren blieb die Klosterbrauerei weitgehend unversehrt. Mit einem Braumeister aus Augsburg, welcher zeitweise im Betrieb mitgeholfen hat, begann eine über fünf Jahrzehnte andauernde Zusammenarbeit mit der Hasen-Brauerei Augsburg. Um den stets notwendigen Wartungs- und Erneuerungsmaßnahmen zu entgehen, wurde in den Sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts die gesamte Brautechnik an den Pächter übergeben. Die damals veraltete Flaschenabfüllung in Scheyern wurde aufgegeben und das Klosterbier von nun an in Augsburg abgefüllt. Schritt um Schritt wurde auch die Bierherstellung verlagert. 1991 wurde die Bierherstellung letztendlich auch offiziell ganz nach Augsburg verlagert.
Der Pachtvertrag ermöglichte, dass vor Ort gerade einmal ein Getränkedepot übrig blieb. Der Vertrieb des Klosterbieres „Marke Scheyern“ blieb also weiterhin bestehen.

 

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Sanierung der Klosterbrauerei Scheyern

Da die Klosterbrauerei lediglich verpachtet war, fielen alle Rechte nach Ablauf der Pachtfrist an das Kloster zurück. Im Laufe von Gesprächen wurde mehr und mehr klar, dass die Klosterbrauerei Scheyern nur Zukunft hat, wenn sich das Kloster wieder selber aktiv in diesem Wirtschaftsbereich engagiert.


Im Sommer 2004 lag eine Studie vor, die sich auf Grundlage der gegebenen Situation mit einer Weiterführung der Brautradition in Scheyern befasste. Diese ließ eine kleine, am örtlichen Bedarf ausgerichtete Brauerei nicht nur möglich, sondern auch als langfristig wirtschaftlich sinnvoll erscheinen. Parallel wurde mit Hasen-Bräu weiter verhandelt und der Pachtvertrag zweimal verlängert.
Weitere Pläne wie der regionale Vertrieb, die Flaschenabfüllung und die Finanzierung eines Umbaus des Brauhauses wurden im Kloster gemacht. Bei der Vorstellung des Gesamtvorhabens im Konventkapitel im Februar 2005 fand das Konzept über die Maßen große Zustimmung. Der technische Planer Dr. Ing. Georg Schu konnte die Ausschreibung für die wichtigsten Gewerke vornehmen. Ein Architekt mit großer Erfahrung im Brauereibereich, Christian Hartl, konnte erste Planskizzen in zur Genehmigung einzureichende Pläne umwandeln.


Nachdem die Energieversorgung durch das neue Biomasseheizkraftwerk erfolgen würde, musste in dem gegenüberliegenden Raum des Sudhauses nur ein kleiner Dampfkessel für Notfälle installiert werden. Im Gär- und Lagerkeller wurden sechs 40 hl Tanks und drei 20 hl Tanks aufgestellt. Hier entsteht durch alkoholische Gärung aus der Heißwürze Bier, das dann – nach einer angemessenen Lagerzeit – genossen werden kann.


Um das aus regionalem Anbau stammende Malz und den heimischen Hopfen entsprechend lagern zu können, mussten wir Umbauten im oberen Bereich des Brauhauses vornehmen. Bei der neuen Schrotmühle und den Silos sowie bei der technischen Steuerung sämtlicher Brauprozesse haben wir uns für einen hohen Technisierungsgrad entschieden. Das soll nicht nur dem Braumeister den Betrieb erleichtern, sondern auch für eine weitgehend gleich hohe Qualität der Klosterbiere sorgen.

Viel ist nun schon gesagt über die Sanierung unserer Klosterbrauerei und Klosterschenke. Damit das alles aber nicht ein lebloser Rahmen bleibt, brauchte es gleichsam eine Seele, und das ist für eine Brauerei und für den eigenen Brauereigasthof natürlich das Bier. Doch das Bier will erst gebraut sein und dazu ist ein Braumeister nötig. Und wer für die Klosterbrauerei und einen guten Sud zuständig ist, sollte wirklich ein Meister sein.


Mit Tobias Huber aus Aichach, der an der Meisterschule in München mit dem Titel “Betriebsbraumeister” und “Produktionsleiter für Brauwesen und Getränketechnik” als Jahrgangsbester abgeschlossen und den bayerischen Staatspreis erhalten hat, haben die Benediktiner in Scheyern dafür einen tüchtigen jungen Braumeister gewonnen. Dieser beherrscht diese korrespondierende Mischung aus handwerklicher Tradition und modernster Technik bestens.

 

Beliebtes Scheyrer Bier

Produziert wird das Scheyrer Klosterbier in erster Linie für den lokalen Bereich – also die Klosterstub’n in der Klosterschenke, örtliche Gaststätten und den eigenen Getränkemarkt. Das Bierbrauen erfolgt CO²-neutral, da die gesamte thermische und elektrische Energie vom Kloster selbst aus eigenem Biomasse-Heizkraftwerk und Fotovoltaikanlagen gewonnen wird.

Nach mehreren Jahrzehnten der Verpachtung hat das Kloster dann endlich im Jahre 2006 die alte Brautradition wieder aufgenommen. Nach einer Komplettsanierung des Brau- und Sudhauses nach neuesten technischen Aspekten sowie einem Umbau der Klosterschenke wird seit dem 21. März 2006 in den Mauern des alten Brauereigebäudes wieder Klosterbier gebraut. Das Scheyrer Bier erfreut sich bis zum heutigen Tage an großer Beliebtheit!

Da bleibt nur noch ein altbayrisches „Prost“ auf die Klosterbrauerei!